Sich zu schämen ist ein ganz normales Gefühl unter Menschen. Wir schämen uns, wenn wir den Erwartungen anderer nicht gerecht werden oder wenn wir gegen soziale Normen verstoßen. Um sich zu schämen, muss man verstehen, wie das eigene Handeln von anderen wahrgenommen wird.

Ist es den Affen peinlich?
Dieses Gefühl ist nicht nur dem Menschen vorbehalten. Im Jahr 2000 berichtete die Primatologin Jane Goodall von einem jungen Schimpansen, dessen Verhalten als Scham gedeutet werden konnte. Sie beobachtete, wie der Schimpanse an einem Ast schwang, der plötzlich brach, sodass das Tier ins Gras fiel. Der Schimpanse blickte sofort zu seinem Onkel hinauf, als wolle er prüfen, ob das Missgeschick von dem ranghöheren Familienmitglied bemerkt worden war – eine typische Reaktion für jemanden, der sich schämt.
Sogar Rhesusaffen haben Anzeichen von Scham gezeigt. Nach der Paarung fiel ein Männchen in einen Graben und sah sich sofort um, ob es Zeugen für seinen unglücklichen Sturz gab. Als niemand den Sturz bemerkt zu haben schien, machte der Affe weiter, als wäre nichts geschehen.
Wozu Scham eigentlich gut ist, darüber sind sich Wissenschaftler noch uneins: Selbstreflexion könnte ein nützliches Merkmal sein, während die Vermeidung sozialer Ausgrenzung eine andere Erklärung ist. Forschern der University of California zufolge könnte die Emotion eine Rolle bei der Versöhnung spielen und dabei helfen, zerbrochene soziale Beziehungen wieder zu kitten.
Quelle: Australian Science Illustrated, 2025, Ausgabe 113
Kategorie:
Säugetiere Psychologie
Die Welt, die ohnehin schon großartig ist, wird noch schöner, wenn man genau hinschaut.
Robin Wall Kimmerer, „Leben in der Grenzschicht“
... Read moreKommentare:
Es gibt keine Kommentare. Sei der Erste